Verteilung Browsernutzung

AdBlock wird zunehmend zum Synonym für das Blockieren von Anzeigenwerbung. Technisch steckt ein Add-On für verschiedene Browser dahinter, welches das Nachladen von Inhalten aus bestimmten Quellen (meist Ad-Servern) verhindert. Wer also mit AdBlock im Internet surft, der sieht keine hüpfenden und obszönen Banner und keine störenden Pop-ups, aber auch keine vielleicht sinnvollen Produkthinweise.

Auf der anderen Seite stehen Sie als Webseitenbetreiber und versuchen, Ihre Inhalte oder Ihr Hobby über Werbung zu refinanzieren. Natürlich macht Ihnen AdBlock Angst, denn es verringert Ihre Einnahmen. Doch inwieweit tut es das wirklich? Im Internet finden sich verhältnismäßig wenige Erfahrungsberichte über den wirklichen Einfluss von AdBlock auf die Werbeeinnahmen, weil niemand die tatsächliche Verteilung kennt. Von denen, die sich also überhaupt mit dem Thema auseinander setzen, darunter sehr aktuell die deutschen Zeitungsverläge, der kann häufig nur raten, ob ihn AdBlock ernsthaft trifft.

In diesem Artikel werde ich daher einige Daten und Hinweise zu AdBlock geben, die Ihnen als Webseitenbetreibern dabei helfen können, den Einfluss von AdBlock auf Ihre Seite und Ihre Werbeeinnahmen besser abzuschätzen. Bitte beachten Sie, dass ich soweit nicht anders genannt unter AdBlock das Blockieren von Anzeigen und nicht eine konkrete Browsererweiterung verstehe.

Randnotiz: Auch Google Analytics oder andere Skripte können von AdBlock erkannt und deaktiviert werden. Darunter befinden sich auch Social Plugins wie der aus Datenschutzgründen verdächtige Like-Button von Facebook.

Wer benutzt AdBlock?

Die Anzahl der AdBlock-Nutzer Ihrer Seite leitet sich indirekt aus der Geschichte von AdBlock ab. Sie beginnt als Erweiterung zum Firefox Browser, deren Entwicklung im Jahr 2002 aufgenommen wurde. Im Jahr 2005 wurde das ursprüngliche Projekt abgespalten und innerhalb eines Jahres unter dem Namen AdBlock Plus komplett überarbeitet. Wie dieser Artikel der New York Times zeigt, wurden AdBlock und Firefox 2007 noch als Nische angesehen und ihnen kaum eine Beachtung geschenkt. Seither wurde AdBlock Plus für Firefox immer beliebter. Mittlerweile gibt es Versionen für die Browser Chrome und Safari, ja selbst für den Internet Explorer, auch wenn ich vermute, dass hier die Verbreitung aus später genannten Gründen nicht so vorangeschritten ist.

Wie viele AdBlock Nutzer gibt es?

AdBlock für Firefox

Ein Indiz für die Verbreitung von AdBlockern können schon die Zahlen von AdBlock Plus, dem Firefox-Add-On geben. Auf der Statistik-Seite der Erweiterung lesen wir von über 200 Millionen Downloads und um die 15 Millionen täglichen Nutzern. Diese Zahlen verraten zwar noch nicht die genauen Nutzerzahlen, weil der Browser in der Geschichte eines PCs auch mal neu installiert wird oder Nutzer mehrere PCs an einem Tag benutzen, doch beeindruckend sind sie allemal.

Die Entwickler von AdBlock Plus haben kürzlich in einem Artikel erwähnt, dass verteilt auf alle Plattformen allein in Deutschland 10 Millionen Menschen ihr Plugin nutzen. Weltweit sollen es sogar 45 Millionen sein, wobei diese Zahl bei geringem Wettbewerb unter diesen Erweiterungen bedeuten würde, dass die Verbreitung gerade in Deutschland verhältnismäßig hoch ist.

AdBlock für andere Browser

Auch das AdBlock-Plugin für Googles Browser Chrome hat mit nach eigenen Angaben über 15 Millionen Nutzern ebenfalls schon eine stolze Verbreitung erreicht. Ausgehend davon, dass Chrome laut Browserstatistik von w3counter deutlich weiter verbreitet ist als der Firefox, lässt sich jedoch ablesen, dass die Verbreitung von AdBlock-Nutzern für diesen Browser noch deutlich geringer ist. Der Grund dafür ist bisher jener gewesen, dass AdBlock zunächst nur für den Firefox gestartet war und die Version für den Chrome erst später hinzu kam.

Nachdem Google AdBlock zunächst aus dem Play Store und damit von Geräten mit dem Android-Betriebssystem verbannt hat, bleibt abzuwarten, wie der Werbegigant weiterhin in Sachen AdBlock vorgehen wird.

W3Counter Browserverteilung im April 2013

Soweit ich das erkenne, gibt es AdBlock ebenfalls für Safari und den Internet Explorer. Beide Versionen erscheinen mir jedoch eine deutlich geringere Verbreitung zu haben als Chrome und Firefox.

AdBlock für Techies

Die Downloadzahlen erzählen nur eine Version der Verbreitung von AdBlockern. Es handelt sich hierbei nämlich in keinem Fall um ein Standardfeature von Browsern, sondern eines, das erst aktiv installiert werden muss. So erklärt sich die eher geringere Verbreitung im Safari und Internet Explorer, beides Browser, die von Hause aus mit den Betriebssystemen mitgeliefert werden. Firefox und Chrome muss man dagegen erst selbst installieren. Wer dazu in der Lage ist, der wird auch mit der Installation eines AdBlockers zurechtkommen.

AdBlock-Nutzer sind also in Fragen der Technik und Software etwas versierter und interessierter. Im Umkehrschluss lässt sich daher vermuten, dass Webseiten mit Themen rund um Heimarbeit oder Garten ein geringeres Problem mit AdBlock haben als die Webseite der t3n.

AdBlock-Nutzer Ihrer Webseite

Was bedeuten die bisher erläuterten Daten für Ihre Seite? Ich habe keine zuverlässigen Zahlen dazu gefunden, wie hoch die Verbreitung von AdBlock-Erweiterungen nach Browsern ist. Dennoch lässt sich sagen, dass die Browserverteilung unter den Besuchern Ihrer Webseite einen wichtigen Indikator dafür liefert, wie hoch der Anteil der AdBlock-Nutzer auf Ihrer Seite sein wird. Diese sind dank Webstatistik-Tools wie Google Analytics oder Piwik einfach zu ermitteln.

Achtung vor fremden Zahlen

Für den April 2013 weist die Statistik von w3counter eine weltweite Verbreitung des Internet Explorers von 23% aus. Die Statistik über die Besucher von w3counter selbst liegen aber nur bei knapp der Hälfte. Das liegt wie bereits erwähnt wahrscheinlich daran, dass sich eher technik-versierte Menschen für das Thema Verbreitung von Webbrowsern interessieren. Die Seite www.browser-statistik.de ordnet die Verbreitung des Internet Explorers in Deutschland sogar nur bei 16% ein und auch der Chrome ist hierzulande deutlich weniger verbreitet als der Firefox, auf den über 36% anfallen. Allein dieses Beispiel zeigt, dass eine abstrakte Browserverbreitung nicht zu den eigenen Zahlen führt, von einem Aufschluss über die Nutzung von AdBlock bei den eigenen Besuchern ganz zu schweigen.

Mehr als Kaffeesatz lesen

Wir haben einmal versucht, den Einfluss von AdBlock auf unsere eigene Plattform www.wort-suchen.de abzuschätzen. Hier wurde uns schnell klar, dass wir dabei nicht von den allgemeinen Browserstatistiken ausgehen dürfen. Über 45% unserer Besucher nutzen nämlich den Safari-Browser in seiner Desktop- oder mobilen Version. Nur 18% nutzen dagegen den Firefox. Es wäre also zu erwarten, dass wir eine geringere Anzahl an AdBlock-Nutzern haben als techniklastige Seiten (wie z.B. webgilde.com).

An dieser Stelle kommt eine weitere Frage auf. Sind individuelle Besucher oder Seitenaufrufe die richtige Kennzahl für die AdBlock-Nutzung? Natürlich lassen sich beide Werte auswerten. Meiner Ansicht nach hängt es hier aber von der Vergütungsart der Anzeigenwerbung ab, welche Kennzahl letztendlich relevanter ist.

Wer für Werbeeinblendungen mit dem Tausender-Kontaktpreis (TKP, oder englisch CPM) vergütet wird, sollte auf den Anteil der Seitenaufrufe mit AdBlocker schauen. Wer für Leads oder Klicks bezahlt wird, könnte mehr aus dem Anteil an individuellen AdBlock-Nutzern ziehen, weil zumindest meiner Erfahrung nach der Anteil an Klicks bei wiederkehrenden Nutzern geringer ist.

Unterschiedliche Gerätetypen

Wie unsere eigenen Zahlen zeigen, spielt auch der Gerätetyp eine bedeutende Rolle. Bei Desktop-Besuchern erhöht sich der Anteil an Firefox-Nutzern unserer Plattform auf mehr als das Doppelte. Entsprechend lässt sich vermuten, dass der Anteil an AdBlock-Nutzern unter den Desktop-Geräten deutlich höher ist. Auf der anderen Seite könnte der bei unseren Besuchern mit Desktop-Geräten höhere Anteil am Internet Explorer dem Trend entgegenwirken. Verglichen damit, spielen die anderen Desktop-Browser bei uns keine Rolle.

Einfluss von AdBlock genau bestimmen

Ich fasse also noch einmal die Indizien zusammen, die für eine höhere AdBlock-Rate unter den Besuchern Ihrer Webseite sprechen können:

  • techniklastiges Thema
  • hoher Anteil an Besuchern mit Desktop-Geräten
  • hoher Anteil an Besuchern mit Firefox (und Chrome)

Das sind die gröbsten Faktoren, um den Anteil an AdBlock-Nutzern auf Ihrer Webseite und damit den Einfluss auf Ihr Werbeeinkommen einschätzen zu können. Vielleicht stellen Sie bei einem Blick in Ihr Webstatistik-Tool jetzt fest, dass Sie gar kein Problem haben, weil die meisten Ihrer Nutzer den Internet Explorer und einen Desktop-PC benutzen.

Leider ist es ohne die richtigen Tools nicht möglich, den genauen Anteil an AdBlock-Nutzern zu ermitteln. Da diese Frage für uns selbst essentieller denn je ist, haben wir mit der Entwicklung eines eigenen Tools begonnen, das wir in Kürze auch anderen Webseitenbetreibern zur Verfügung stellen werden. In diesem Zusammenhang werde ich auch Einblicke in die von uns ermittelten Zahlen liefern, damit andere Publisher sich daran vergleichen können.

Wenn Ihnen diese Hinweise geholfen haben und Sie sich den Anteil an AdBlock-Nutzern Ihrer Seite besser vorstellen können, dann teilen Sie doch Ihre Gedanken mit uns. Fühlen Sie Ihre Webseite durch AdBlocker bedroht?

Der Autor

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